Das Ende von Beziehungsweise: fern

2 10 2009

Beziehungsweise: fern ist vorbei. Nicht, weil ich plötzlich aus Berlin wieder zu Chris nach Marburg gezogen bin und auch nicht weil Chris nun hier in Berlin lebt. Unsere Beziehungsweise gibt es nicht mehr, weil unsere Beziehung nicht mehr existiert. Mit mir und Chris ist es aus.

Blickt man zurück auf die letzten Monate, liest man meine Blogeinträge, so kennt man Chris` Distanziertheit, seine Kälte, seine Emotionslosigkeit und eben auch meine Liebe zu ihm, meinen unermüdlichen Willen unsere Beziehung auch unter dem Attribut fern weiter am Leben zu erhalten, mit Leben zu füllen. Man würde denken, dass Chris derjenige war, der sich getrennt hat. Aber liest man genauer kommen auch meine Verzweiflung, meine Zweifel und meine Verletztheit zum Vorschein, die unsere Beziehungsweise fern die letzte Zeit hinweg über begleitet haben. Und dann…

…und dann kam er.

Er, der alles tut, was Chris nicht getan hat – nicht als wir am gleichen Ort wohnten und nicht als uns Tausende Kilometer trennten.

Er,  der mich in Arm nimmt, wenn es mir schlecht geht. Er, der mir mit Rat und Tat und einem offenen Ohr zur Seite steht. Er, der mich vermisst und den ich vermissen darf. Er, der sagt, was er denkt und fühlt. Er, der mich zum Lachen bringt, wenn mir nach Weinen ist.

Er, der einfach da ist, auch wenn er nicht da ist. Mit ihm ist Beziehungsweise: fern zu Ende gegegangen. Mit ihm wandelt sich das fern in ein nah – und das in jeder Hinsicht. Mit ihm kommt das, was Chris mir nicht geben hat, egal ob unter Beziehungsweise nah oder fern.

Beziehungsweise: fern war nicht das Problem.





Zeitlos

29 07 2009

Keine Zeit – für Nichts. So lässt sich mit wenigen Worten mein neues Leben in Berlin beschreiben. Während ich fünf Tage die Woche in der Agentur verbringe (und das Wochenende für die Abarbeitung meiner privaten To Do-Liste nutze, u.a. den Haushalt schmeißen oder einfach mal Nichts tun), ziehen Berlin und mein Leben an mir vorbei.

Cafés, Restaurants, Bars, Stores und alles was Berlins Tag- und Nachtleben ausmacht, habe ich noch kaum erlebt. Manchmal, wenn ich hier in meinem Zimmer sitze, denke ich, ich sei in Marburg – vor meinem Fenster stehen große Bäume, in Marburg standen die gleichen.  Ich bewege mich nur in meinem Stadtviertel – den Weg nach Charlottenburg, Wedding und wie auch immer all die anderen Stadtbezirke heißen, kenn ich nicht. Keine Zeit. Sightseeing und Stadtbekundung Fehlanzeige.

Meine Freunde in der Heimat kommen zu kurz. Fast schon enttäuscht angehauchte Mails und Mailboxnachrichten bekommen keine oder nur selten eine Antwort von mir.  Neue Freunde in Berlin habe ich nicht. Auch wenn ich ab und an mit Kollegen auf ein Feierabendbier gehe, Freundschaften sind es noch nicht. Oder sind Gespräche über Kunden, PR-Strategien und Pitches die Top-Themen in freundschaftlichen Beziehungen?  Keine Zeit. Soziales Leben auf dem Minimum.

Meine Beziehung mit Chris vernachlässige ich. Oft dauert es Stunden bis ich auf seine SMS reagiere. Ich verspreche anzurufen, komme nicht dazu, weil mir ein Termin dazwischenfunkt.  Und das andauernd. Das ist neu – das wird aber auch noch getoppt: Ich wollte mich nächste Woche auf den Weg zu Chris machen – ein lang geplantes Wiedersehen, Beziehungsweise fern in Beziehungsweise nah eintauschen. Ein neues Projekt ist dazwischen gekommen. Ich kann nicht fahren. Ich werde absagen müssen. Keine Zeit. Beziehungsweise Fern auf Sparflamme, Beziehungsweise nah unerreichbar.

Ich bin zeitlos. Und meine neue Zeitlosigkeit wird zur neuen Determinante unserer Beziehung.

Heute hatte ich frei. Ein Bisschen Sightseeing gemacht, private To-Do-Liste verkürzt, endlich bei meinen Freunden angerufen, lange mit Chris telefoniert. Doch ein Tag ist nicht Zeit genug für Beziehungsweise nah.





Von kleinen Träumereien bis nach Berlin

20 07 2009

Irgedwann – es waren nicht mehr viele Wochen bis zu Chris` Rückkehr nach Deutschland – begann ich mir auszumalen, wie toll es sein würde, wenn Chris und ich in kurzer Zeit endlich wieder am gleichen Ort wohnen würden – wie früher.

Wie wir mehrmals die Woche zusammen einschlafen und aufwachen würden, wie wir die Lahn entlang spazieren würden, einfach nur abhängen würden, zusammen feiern würden und so was wie Alltag hätten – auch das für Beziehungsweise-fern-Paare eine faszinierende Vorstellung.

Und so wurde mit Chris` immer näher kommenden Rückkehr die Enttäuschung über jede neu erhaltene Job- oder Praktikumsabsage aus Hamburg, Leipzig, Dresden und eben auch Berlin geringer. Schließlich kam bei dem Satz „Wir können Ihnen leider keine Stelle anbieten“ sogar so etwas wie Freude auf.  Zu verlockend meine bereits geschmiedeten Pläne für mich und Chris und zu groß der Wunsch nach ihrer Realisierung. Beziehungsweise fern sollte ein Ende haben.

Mit der plötzlichen und unerwarteten Zusage  für das Praktikum von der Berliner PR-Agentur wurden die kleinen Träumereien auf ein mal wieder obsolet. Mehr noch: es war der Moment gekommen, vor dem ich mich – eigentlich schon- beim Schreiben der aller ersten Bewerbung gefürchtet habe: Ich müsste die Stadt verlassen. Ich würde nicht mal mehr dasein, wenn Chris endlich wieder sein Zuhause in unserer Stadt hätte. Beziehungsweise nah rückte erneut ins Unerreichbare.

Das Unterschreiben des Vertrages zögerte ich verständlicherweise so lange wie möglich hinaus. Ich war hin und her gerissen: Würde nach Berlin gehen nicht heißen, sich gegen eine gemeinsame Zweisamseit auf dem gleichen Fleckchen auf der Welt zu entscheiden und für die Fortsetzung der Beziehungsweise fern? Aber würde es nicht auch heißen -wenn man die schon erreichte Dauer unserer Beziehungsweise fern ins Auge fasst – sich somit gegen Chris`und meine Beziehung zu entscheiden?

Was es nun heißt? Berlin wird es zeigen.





Das neue Kapitel

19 07 2009

Viel Zeit ist vergangen, seit ich das letzte Mal in diesen Blog geschrieben habe. Vieles hat sich geändert, manches nicht. Vieles bleibt, anderes ist anders.

Meinen letzten Blogbeitrag habe ich in meiner damaligen Heimat, einer kleinen Studentenstadt, verfasst. Zu der Zeit hatte ich bereits mein Diplom in der Tasche und suchte einen Job. Heute schreibe ich von Berlin aus, einen Job habe ich nicht gefunden, aber einen guten Praktikumsplatz, der mir vielleicht ein paar Türen öffnen wird.

Beim Verfassen meines letzten Blogeintrages saß ich auf gepackten Koffern, auf dem Weg nach Italien zu Chris. Viele offene Fragen, wirre Gedanken und Zweifel begleiteten mich auf meiner Reise zu ihm. Wenn ich Chris heute sehen will, muss ich wieder Koffer packen. Aber ich fliege nicht mehr nach Italien, ich fahre in unsere einstige gemeinsame Heimat, die kleine Studentenstadt. Er ist wieder gekommen nach 10 Monaten Auslandsstudium und ich musste drei Wochen vorher gehen um weiter zu kommen.

Beziehungsweise: fern existiert immer noch. Spielt sich zwischen neuen Koordinaten und auf nun „nur noch“ 500km Entfernung ab. Ein neues Kapitel in unserer Beziehung, in meinem Leben.  Es geht weiter: mit vielen Unbekannten und Fragezeichen aber auch vielem Bekannten und den gleichen Fragen.





Was es ist

20 03 2009

Folgende Worte sind mir heute, einen Tag vor meinem Reiseantritt, in einem Buchladen in die Hände gekommen. Worte, die Antworten auf meine Fragen liefern. Worte, die mir Kraft und Optimismus geben.

Worte, die ich auf meine Reise mitnehmen werde und die mich begleiten werden. Jeden der 7 Tage, die ich da sein werde.

Was es ist

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

(Erich Fried)





Ich packe meinen Koffer….

19 03 2009

….und nehme mit:

alles was sich für 15 kg einpacken lässt (unzählige T-Shirts und Pullis, Hosen, Schuhe, Make-up…) und ein paar Dinge, die auf der Waage des Check-Inn Schalters nicht ins Gewicht fallen werden, aber die schwerste meiner zu tragenden Last sind: Angst, Resignation, Ungewissheit. Für Vorfreude, Optimismus und Hoffnung ist tatsächlich kein Platz. Ich habe die letzten Tage versucht dafür Raum zu schaffen, habe versucht Ordnung reinzubringen, umzuschichten, aber es hat nicht funktioniert. Es ist eine Reise ins Ungewisse, mit unbekannten Variablen.

Und so fühle mich umgeben von einer Schutzmauer – Die Bausteine: Wenige Erwartungen, Distanz, emotionale Abgestumpfheit. Hinzukommt der unglaubliche Druck, der auf meinem Besuch lastet. Diesmal geht es nicht darum innerhalb einiger Tage während der Beziehungsweise nah ein ganz normales Beziehungsleben zu führen. Diesmal sind es 7 Tage Zeit Chris von mir, von unserer Beziehung und seiner Gefühle zu mir zu überzeugen. Ein Kampf. Wenn ich ihn verliere, komme ich als Single zurück nach Deutschland. Eine Vorstellung, die mich ihn Ohnmacht versetzt.

Letztendlich bleibt eine Hoffnung: Last los zu werden – wie auch immer diese Reise endet.





Zwei Leben – wie Tag und Nacht

18 03 2009

Erst 8 Stunden gekellnert, dann zwei telefonische Jobinterviews gehabt, drei Jobabsagen per Post bekommen – also ein Tag wie jeder andere der letzten Monate.

Chris` heutiger Tag: nachdem er gestern bis sechs Uhr morgens auf einer ErasmusParty war, hat er heute erst mal bis mittags geschlafen, dann seinen Kater kuriert, sich entschieden nicht in die Uni zu gehen, ein wenig im Internet gesurft, und  jetzt  macht er sich zum fast alltäglichem Apperetivo auf  und danach wieder auf eine Party  – um morgen den heutigen Tagesablauf zu wiederholen.

Ich möchte hier nicht auf die Floskel „wir leben uns auseinander“ anspielen, sondern einfach nur auf den Unterschied meines und seines gegenwärtigen Lebens eingehen, zwei Leben die sich wie Tag und Nacht unterscheiden. Ich bin jeden Tag damit beschäftigt mir meinen Lebenunsunterhalt zu verdienen und einen Job (eine Festanstellung) zu finden – und das seit inzwischen drei Monaten. Und Chris – er führt ein Leben, wie ein Student im ersten Semester im Dauerurlaub. Oder mit den Worten meiner Mutter: Chris entwickelt sich zurück und ich habe nun ein Erwachsenenleben bzw. bewege mich darauf hin zu.

Es sei ihm ja gegönnt. Schließlich wird er nach seiner Rückkehr hier her sich auf sein Examen vorbereiten müssen, aber der Störfaktor der ganzen Sache: Chris mangelndes Interesse an meiner momentanen Lebenssituation, seine unzureichende Unterstützung, die ich so gebrauchen könnte. Mit seiner physischen Abwesenheit im Alltag habe ich mich arrangiert, aber unter seiner fehlenden psychischen Unterstützung und Anteilnahme leide ich. Sie tut weh.

Mein Leben momentan ist das reinste Chaos, verläuft orientierungs- und erfolgslos. Meine beste Freundin verlässt nächste Woche die Stadt – für immer, die „Krise“ mit Chris, meine Mutter hat mir ab diesem Monat jegliche finanzielle Unterstützung abgesprochen, ich kriege sogar Absagen von Jobs & Praktika (!), auf die mein Profil gänzlich zutreffend ist (und guter Noten, Auslandserfahrungen, absolvierter Praktika, diverser Sprachkenntnisse) und letztendlich werde ich irgendwann diese Stadt verlassen müssen (beruflich gibt diese Region nichts her). Die Stadt, die für fünf Jahre mein zu Hause war, die Stadt, die mich und Chris verbindet. In eine Stadt gehen, die erneute unglaubliche Kilometer von Chris entfernt sein wird. Ein Umzug, der einen neuen Lebensabschnitt einläuten wird und der meiner Meinung nach Chris`und mein Leben wirklich trennen wird, wenn das der Besuch bei Chris in wenigen Tagen nicht schon tun wird.

Und wenn ich diese Dinge, manche mehr, manche weniger Chris erzähle, ihm über mein Leben berichte, kommt nichts zurück – kein Rat, kein Tipp, kein Mitgefühl. Und wenn dann das Telefonat beendet ist, da bin ich mir sicher, öffnet sich Chris ein Bier, geht zum Appretivo, auf die nächste Party und macht die Nacht zum Tag, während ich mich schlafen lege, jeden Tag ein weniger trauriger, hilfloser, und mir den Kopf zerbreche. Noch vor einiger Zeit, habe ich mich auf den Beginn der neuen Phase meines Lebens gefreut, inzwischen bin ich demotiviert, verunsichert und überfordert. Die Lust auf Parties ist mir einfach vergangen.





Bilder-Geschichten

17 03 2009

Vier Tage noch, dann bin ich bei Chris. Zwar haben wir uns die letzten Tage nicht gesprochen, aber es gibt noch einen anderen Weg durch den ich an Chris`Leben teilnehme: Bilder, d.h. Fotos, die seine Kommillitonen regelmäßig in einer großen Internetcommunity online stellen.

Gerade in den letzten Tagen häufte sich die Anzahl der neuen Pics, auf denen Chris verlinkt ist. Chris beim FußballSpielen, Chris auf einer 80er Jahre Trashparty in knallenger roter (!) Jeans, Chris mit seinen Jungs, Chris mit Mädels; Küsschen links, Küsschen rechts, Chris mit einem Mädel im Arm, die übrigens mein Double sein könnte.

Gerade die Bilder, die Chris in ungewohnten Outfits oder umgeben von mir meist fremden Frauen oder einer Frau zeigen, sind Grund für mein ambivalentes Verhätnis zu diesen Fotos. Einerseits erzählen sie Geschichten von Chris Leben in der Ferne (ohne mich), geben mir Einblick in seinen dortigen Alltag, andererseits lassen sie mich zu Geschichtenerfinderin werden und vermitteln mir ein ungutes Gefühl: Wer dieses Mädel wohl ist? Hat sich Chris vielleicht verändert?

Manchmal vermeide ich es absichtlich mir die Bilder genauer anzusehen, manchmal aber lassen sie mich zu Stalkerin werden – ich versuche dann ganze Situationen, Abende, Parties zu rekonstruieren, und etwas über die unbekannten Personen auf den Bildern herauszubekommen. Ergänzt durch Pinnwandeinträge von Frauen die mit „Ciao bello“ beginnen und „bacio“ enden, sind diese Internetgemeinschaften inwzischen ein wahrhafter Auslöser von temporären Eifersuchtsattacken und trüben Momenten geworden -und im Moment erst recht alles andere als beruhigend.





Mein Single-Leben

12 03 2009

Seit Tagen denke ich fast nur über mich und Chris nach. Egal, ob ich gerade aufstehe, schlafengehen, vorm Spiegel stehe, unterwegs bin oder schlafe (ohja, ich habe Albträume) – Chris, unsere Beziehung ist immer präsent, immer dabei. Wie ist dann der Satz einer Freundin einzuordnen, die übrigens nichts von unserer derzeitigen Krise (oder wie auch immer man das nennen will; Orientierungsphase, Wendepunkt…)  weiß,: „Du lebst ein echtes Single-Leben“!

Single-Leben – ich?

Man kann dieses Situation als Vergebene als einen Angriff, eine Beleidigung ansehen. Frei nach dem Motto: Du hast zwar einen Freund, aber du flirtest mit jedem uvm. Diese Option trifft nicht auf mich zu. Ok, ich rede mit anderen Männern, auch mal mit „fremden“ Männern, aber das wars dann auch schon. Während ich mit ihnen rede streiche ich mir nicht durch mein Haar oder schaue ihnen tief in die Augen, d.h. von flirten keine Spur. Und falls das nicht genug überzeugt – ich erwähne spätestens nach ein paar Sätzen, dass ich vergeben bin.

Aber ein Single-Leben zeichnet sich auch dadurch aus, dass man die großen und kleinen Aufgaben des Alltags alleine meistert. Probleme des alltäglichen Lebens müssen alleine gelöst werden und als Single verbringt man die meiste Zeit des Tages „alleine“, d.h. ohne einen festern Partner an der Seite zu haben. Dieser Aspekt des Single-Lebens trifft auf mich zu. Er ist nun mal der Situation geschuldet, dass mein Freund unendlich viele Kilometer weit weg ist. Ich stehe morgens alleine auf, frühstücke alleine, mache mich alleine auf den Weg zur Arbeit (zur zeit heißt „Arbeit“ entweder einem meiner Nebenjobs nachgehen oder eben meiner Suche nach einer Festanstellung), schlendere alleine durch die Stadt und gehe abends alleine auf Parties, ein Bier trinken oder ins Kino und danach alleine schlafen. Allein heißt hier nicht, dass ich tatsächlich alleine unterwegs bin (zum Glück habe ich ein paar liebe, tolle Freunde), sondern eben ohne einen festen Partner. Ja, ich lebe das tägliche Leben alleine – ohne Chris. Brauche ich Chis oder seine Hilfe, so bleibt die aufs Telefon auf E-Mail beschränkt. Er kann nicht einfach da sein. Er kann mich nicht begleiten, aber immer hin kann er mir am Tele oder per E-Mail „helfen“.

Die erste Zeit nachdem Chris weg war, war genau das mein größtes Problem: alles alleine erledigen, überall ohne ihn hingehen und sein (manchmal fühlte ich mich wie frisch getrennt). Doch ich habe mich damit arrangiert, habe an Selbstsändigkeit gewonnen, bin gleichzeitig flexibler und unabhängiger. Doch manchmal treten Alltagssituationen auf, in denen ich wünschte, dass Chris physisch anwesend wäre – ganz besonders tolle aufregende Situationen oder aber auch traurige, stressige Situationen. Doch leider kann man sich auch heute noch nicht von A nach B beamen.

Allerdings, in meinem Kopf, in meinem Herzen ist Chris – so schnultzig das auch klingt – immer da. Mein schneinbares Single-Leben eben auch nur eine Konsequenz der Beziehungsweise fern.





„Es ist wieder alles okay.“

11 03 2009

Wie kann man so wechselhaft sein? Wie kann man ständig seine Meinung ändern? Wie kann man in einer Minute ein Teufel und in der nächsten ein Engel sein? Wie man das kann, weiß ich nicht, aber dass man es kann, weiß ich. Chris war, ist (und bleibt) der beste Beweis dafür.

Gestern erreichte mich erst eine E-Mail von ihm: Chris hat für uns ein Hotel gebucht. Drei Tage Norditalien. In meiner Lieblingsstadt. Keine 30 Minuten später klingelte das Telefon. Chris war es. Chris ruft selten an. Aber nun tat er es. Er fragte zuerst, ob das Hotel okay wäre. Ich antwortete mit einem Ja. Darauf hin redete Chris , als ob seine  Zweifel , seine verletztenden Worte nie gewesen wären und schloss seinen Redeschwall mit einem „Wie gehts dir?“ ab.

Wie es mir geht? Er fragte tatsächlich wie es mir gehe, nachdem er die letzten Wochen mehr als ein Mal mein Herz zum Stillstand gebracht hate,  ich schlaflose Nächte durchlebt hatte, ich mehrmals täglich von Weinkrämpfen geplagt war und mich mit letzter Kraft langsam mit dem Gedanken abzufinden begann, dass ich bald wieder solo bin. Ich antwortete kurz mit einem „ich mache mir Sorgen um uns“. „Brauchst du nicht mehr“ erwiderte er…Brauchst du nicht mehr, nie wieder. Es ist wieder alles ok“.

Sprachlos, stumm, wortlos saß ich am Hörer. „Es ist wieder alles ok“? Aha, auf einmal liebt er mich wieder, ist sich seiner Gefühle sicher? Wo bitte sind seine Zweifel hin? Und was bitte veranstaltet mein Freund mit mir? Für mich war die Welt bereits untergegangen, ich habe mich auf das Schlimmste vorbereitet, meine Vorfreude auf den Besuch bei Chris hatte sich in Angst gewandelt.  Und nun ist alles wieder ok! Aha, mal sehen für wie lange. Diesmal vielleicht nur ein paar Stunden bis zum erneuten Zweifel und Abstandsgesuche?  ´

Oder ist jetzt wirklich wieder alles ok?

Noch 10 Tage. Noch 10  unglaublich lange Tage, dann bin ich bei Chris. Dann werden wir sehen, ob alles okay ist. So kann ich Chris nicht mehr glauben – so gerne ich es auch tun würde . Eine ehrliche, solide Antwort wird erst der Besuch bei ihm bringen (ja, das hatte ich bereits vor einigen Tagen festgestellt…). Die noch kommenden Tage bis dahin sollte  man streichen können. Ich will nicht mehr warten. Ich will jetzt einfach bei Chris sein.